Die römische Armee des Kaiserreichs

Die Legionen des Kaiserreichs

Aufbau, Struktur und Stationierung
Es gab in der frühen Kaiserzeit zwischen 28 und 30 Legionen, welche die Elite des Heeres darstellten. Sie hatten in erster Linie Abschreckungs- und Verteidigungsaufgaben und wurden im Felde eigentlich nur eingesetzt, wenn weitere Eroberungen zu machen waren, eine Revolte niedergeworfen oder eine Invasion abgewehrt werden musste. Ihre Stationierung war vom Bedrohungspotential abhängig, das von den verschiedenen feindlich gesinnten oder ins Reich aufgenommenen Völkern ausging. Die meisten Legionen waren daher hauptsächlich in den Grenzgebieten des Reiches anzufinden, wobei man die "alltägliche" Verteidigung den an der Grenze stationierten Hilfstruppen überließ. Die Gliederung einer Legion der frühen Kaiserzeit (Mitte des 1. Jhdts. n.Chr.) unterschied sich in einigen Punkten von der in der augusteischen Zeit üblichen Gliederung. Die Legion bestand zwar nach wie vor aus zehn Cohorten, wobei die Cohorten 2 bis 10 je ungefähr 500 Mann umfassten, gegliedert in sechs Centurien zu je rund 80 Mann, doch in der zweiten Hälfte des 1.Jhdts n.Chr. wurde die 1. Cohorte auf etwa 800 Mann erweitert und in fünf Centurien (Doppelcenturien zu je 160 Mann) eingeteilt. Beigegeben waren der Legion 120 Berittene als Kundschafter und Meldereiter. Das brachte die Legion der frühen Kaiserzeit auf eine Sollstärke von etwa 5500 Mann. Diese Zahl beinhaltet "nur" die Legionäre. Offiziere, Chargen und andere höhere Ränge sind hier nicht inkludiert und können alles in allem auf insgesamt 500 Mann[1] pro Legion geschätzt werden. Auch Kriegsmaschinen wie Ballisten und Katapulte (Cheiroballistra) waren Bestandteile der Legionen und standen für die Überlegenheit des römischen Militäringenieurswesens. Weiters schlossen sich der Kerntruppe Handwerker, Lazarettangehörige, Veterinärpersonal, Burschen und Tragtiertreiber usw. an, also alles was eine römische Legion zum "Überleben" bzw. Funktionieren brauchte. Insgesamt kann der Gesamtbestand (Soldaten & Gefolge) einer Legion auf ungefähr 7100 Mann[2] festgelegt werden.

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Der Centurio vor seiner angetretenen Mannschaft (Foto: APC)

Der Weg zum Legionär
Ein Legionär (Miles Gregarius) musste von jemandem empfohlen werden, der mit dem Heer zu tun hatte. Bestand er die Musterung (Probatio), erhielt er sein Handgeld (Viaticum) von 75 Denaren, schwor im Lager den militärischen Diensteid und wurde einer Centurie zugeteilt. Wie in den vorangegangenen Perioden rekrutierten sich die Legionen ausschließlich aus römischen Bürgern, da nur der Soldat werden konnte, der römischer Bürger war. Gegen Ende der Republik war allen Italikern das Bürgerrecht zuerkannt worden. Auch die Städte der Provinzen erhielten im Kaiserreich nach und nach das römische Bürgerrecht. Die Soldaten der Hilfstruppen (Auxilia) erhielten bei ihrer Entlassung aus dem Militärdienst das römische Bürgerrecht (Civitas Romana), so konnten später auch ihre Söhne Legionäre werden. Infolge dieser allmählichen Ausweitung des Bürgerrechts ging die Zahl der Italiker im Militärdienst zurück. Doch trotz dieser Änderungen mussten die Rekruten einer neu zu schaffenden Legion immer noch in Italien angeworben werden.

Namensgebung und Nummerierung [3]
Viele Legionen Roms entstanden aus den einander bekämpfenden Heeren der Republik während des zwanzigjährigen Bürgerkriegs zwischen 50 und 30 v.Chr. Darauf ist es auch zurückzuführen, dass manche Legionsnummern doppelt vorkamen, es gab sogar drei Dritte Legionen. Als später dann die Kaiser neue Legionen aufstellten, hielten sie vielfach an der mehrfachen Vergabe von Nummern fest. Um die gleich numerierten Legionen voneinander zu unterscheiden gab man ihnen einen oder mehrere Beinamen (Cognomen). Die Cognomina zerfallen in verschiedene Gruppen. Der Beiname kann geographischer Natur sein und das Herkunftsgebiet einer Legion (Italica) anzeigen oder auf ein Land verweisen, in der die Legion stationiert war oder in der sie sich mit besonderem Ruhm bedeckt hatte (Germanica, Hispana, Macedonia, ...). Weiters kann das Cognomen ehrenden Charakter haben und die militärischen Tugenden des Verbandes betonen (Ferrato - die Eiserne, Victrix - die Siegreiche, Fulminata - die mit Blitzen Versehene, Rapax - die Reißende). Dazu kamen häufig Beinamen, die eine Legion für ihre Loyalität auszeichneten (Pia Fidelis - die Pflichteifrige und Treue). Der Beinamen Gemina (Zwillinge) bezeichnet einen aus zwei Legionen zusammengelegten Verband. Kaisernamen (Augusta, Claudia, Flavia) beziehen sich auf Herrscher oder sein Haus, unter dem eine Legion gegründet worden ist, Götternamen (Apollinaris, Minerva) auf eine diesen Kaisern besonders wichtige Gottheit. Wenn eine Legion vernichtet oder aufgelöst wurde, (Vespasian löste z.Bspl. 69 n.Chr. vier gallische Legionen wegen unehrenhaften Verhaltens auf) wurde ihre Nummer nie wieder verwendet. Die drei augusteischen Legionen XVII, XVIII und XIX, die im Jahre 9 n.Chr. in Germanien (Kalkriese, D) untergingen, wurden nie wieder aufgestellt. Als Ersatz wurden völlig neue Einheiten (andere Nummer, anderer Beinamen) ausgehoben.

Legionen in Österreich (0 - 200 n.Chr.)
Die erste auf dem Gebiet des heutigen Österreich (Noricum, Pannonien) stationierte Legion war die ab 39/40 n.Chr in Carnuntum (Petronell, NÖ) stehende Legio XV Apollinaris (siehe "Historische Legio XV"). Sie errichtete dort in den folgenden Jahren bzw. Jahrzehnten ein festes Standlager. Das endgültige Legionslager aus Stein entstand unter Kaiser Vespasian (73 n.Chr.). Es entwickelte sich daraus eines der größten und wichtigsten Legions- bzw. Militärlager des gesamten römischen Donaulimes. Dem Carnuntiner Legionslager folgten in den nächsten 150 Jahren noch drei weitere, nämlich jene in Vindobona (Wien), Albing (?) und Lauriacum (Enns). Es kann angenommen werden, dass in der ersten Zeit, bis zu den Stationierungen weiterer Truppenteile am Limes, Abteilungen der 15. Legion von Carnuntum aus den Donaulimes bis Boiodurum (Passau) sicherten und behelfsmäßig befestigten. Der Österreichische Donaulimes wurde zwischen 69 und 96 n.Chr. durch die flavischen Kaiser (vorallem unter Domitian) mit der Errichtung weiterer militärischer Standlager entsprechend verstärkt. So waren zu dieser Zeit[4] nachweislich, zusätzlich zu Wien und Petronell, in Linz (Lentia), Wallsee (Lacufelicis?), Pöchlarn (Arelape), Mautern (Favianis), Traismauer (Augustiana), Zwentendorf (Arustis?), Tulln (Comagenis), Zeiselmauer (Cannabiaca?), Klosterneuburg (?), Schwechat (Ala Nova) und Fischamend (Aequinoctium) Einheiten der römischen Armee stationiert. Wobei es sich hier ausnahmslos um Auxiliareinheiten (Reiter und Infanterie) handelte. Vindobona[5] wurde anfangs, also in spätaugusteischer bzw. in tiberischer Zeit vermutlich von der Legio XV gesichert, in domitianischer Zeit konnte durch mehrere Grabsteinfunde die Anwesenheit einer Auxiliareinheit nachgewiesen werden. Im Zuge der Germanenkriege des Domitian in den Jahren 89 bis 92 n.Chr. kam von Poetovio aus die Legio XIII Gemina an die Donau und übernahm durch die Errichtung des Legionslagers die Hauptaufgabe der Grenzsicherung im heutigen Wien. 171 n.Chr. verlegte Marc Aurel die 165 von ihm im Zuge der Markomannenkriege in Italien und Noricum ausgehobene Legio II Italica noch Albing (NÖ), doch das 174 fertig gestellte Legionslager musste vermutlich wegen Hochwasser oder gestiegenem Grundwasser wieder aufgegeben werden. Ab 191 n.Chr. (unter Commodus) scheint die 2.Legion dann - 5km westlicher - in Lauriacum auf, die heutige Stadt Enns wurde dadurch zum neuen und endgültigen Legionslager der zweiten italischen Legion.

[1] Junkelmann 1986, 94. Die Legionen des Augustus.
[2] Junkelmann 1986, 95. Die Legionen des Augustus.
[3] Vgl. Junkelmann 1986, 95-96. Die Legionen des Augustus.
[4] Hübl 2004, 8. Römisches Tulln - Das antike Comagenis.
[5] Vgl. http://www.archaeologie-wien.at/roemer/legionslager.htm.


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