Dienstgrade der Legio XV
Bedeutung und Aufgaben der Dienstgrade
Centurio · Aquilifer · Optio · Signifer · Cornicen · Agrimensor · Miles · Mulio/Equos Regentes

Centurio
Die Centurionen waren das Rückgrat der Legion. Ein Centurio war in seiner Funktion mit einem heutigen Hauptmann (Kompaniechef) vergleichbar. Er begann als gewöhnlicher Soldat, wurde durch besondere Leistungen Gefreiter, Unteroffizier usw. und übernahm nach bestandener Offiziersprüfung das Kommando über eine Centurie (Hundertschaft). Die augenfälligsten Merkmale seines Ranges waren neben einer schön gearbeiteten Rüstung, der quergestellte Helmbusch (Christa Transversa) aus Rosshaar, die Beinschienen (Ocrea), die Vitis, ein Rebstock als Zeichen der Befehlsgewalt und seine bei Paraden getragenen Auszeichnungen (Dona Militaria), wie z.Bspl. die Corona Civica Quercea, Phalerae, Armillae, Torques, usw. Die Centuria waren nicht alle gleich an Rang. Die 5 Centurionen der 1. Cohorte standen über den restlichen der Legion. Sie waren bekannt als Primi Ordines, die Centurionen 1. Grades. Innerhalb der Primi Ordines gab es ebenfalls eine Rangfolge. Der Primus Pilus war der Ranghöchste. Der Rang der Centurionen der 2.- 10. Cohorte war abhängig von der Cohortenzugehörigkeit.
Centurio Primus Pilus
Befehlshaber der 1. Cohorte und Centurie. Walter Flotzinger ist also Centurio Primus Pilus der Legio XV Apollinaris Cohors I Centuria I. Er wurde anhand besonderer Leistungen und dem Dienstalter befördert. Der Primus Pilus war die Personifikation des römischen Berufssoldatentums. In ihm ehrten Staat und Armee die tragende Leistung der Centurionen. Er erhielt ein Gehalt, dass ihm den Aufstieg in den Ritteradel (Ordo Equester) gewährleistete. Die Söhne von Primi Pili konnten auf direktem Weg Centurionen werden oder gleich die ritterliche Laufbahn einschlagen. Während seines auf ein Jahr beschränkten Dienstes war der Primus Pilus der Sprecher der Centurionen seiner Legion und nahm am Kriegsrat teil. Danach ging er entweder hochgeehrt in den Ruhestand oder stieg noch weiter auf (z.Bspl. zum Praefectus Castrorum).

Ranghöchster Centurio einer Legion.


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Centurio Primus Pilus
Ausrüstung am Ende des 1. Jhdts. n.Chr.
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Aquilifer
Der Aquilifer (Adlertäger) trug das heiligste Symbol der ganzen Legion, den Legionsadler auch Jupiteradler genannt (Aquila), der als Feldzeichen für die gesamte Legion diente. Er war der ranghöchste Feldzeichenträger einer Legion, er rangierte gleich unterhalb des Centurio. Der Aquilifer diente als Ehrenposten für kurz vor der Entlassung stehende verdiente Unteroffiziere. Der Legionsadler wurde der Legion vom Kaiser verliehen. Der Adler war das Zeichen Jupiters, des obersten römischen Gottes. Man hatte ihn eingeführt als aus den Legionen stehende Einheiten wurden. In Cäsars Tagen war der Adler aus Silber und Gold, im Kaiserreich nur aus Gold. Der Adler verließ das Lager nur, wenn die ganze Legion ausrückte, also bei Schlachten oder Märschen jeglicher Art. Seine Verwahrung oblag der Obhut der 1. Cohorte, besonders der des Primus Pilus, des obersten Centurio der ersten Centurie. Der Aquilifer trug neben dem Adler als besonderes Kennzeichen über dem Helm ein Tierfell. Der Adlerträger der Legio XV trägt ein Wildschweinfell (Verres).

Im Lager wurden die Feldzeichen in einem besonderen Raum, im Fahnenheiligtum (Sacellum) verwahrt. In diesem gab es für den Legionsadler ein eigenes Heiligtum (Aedes Aquilae) indem er sicher aufbewahrt, bewacht und rituell verehrt wurde. Der Aquilifer gehörte (genau wie der Signifer) zu den Principales, den wichtigsten und ranghöchsten Unteroffizieren nach dem Centurionat und war Duplicarius (Doppelgehaltsempfänger). Der Legionsadler wurde während der Schlachten besonders gut bewacht, denn der Verlust des mit Abstand wichtigsten Feldzeichens im römischen Reich, galt als nicht wieder gut zu machende Schande für die gesamte Legion. Über die Jahrhunderte war die Adlerstandarte, soweit sie nicht verloren ging, immer dieselbe.
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Optio
Der Optio gehörte wie der Signifer und Aquilifer zu den Principales. Am Rang stand der Signifer über dem Optio, doch funktionsmäßig war dieser der zweite Mann nach dem Centurio, nämlich dessen Stellvertreter, also Leutnant. Als erster Offizier nach dem Centurio, fielen dem Optio im täglichen Lagerdienst administrativunterstüzende sowie praktischunterstützende Aufgaben des Centurio zu, so wurden der Exerzierdienst der Centurie das Kampf- und Körpertraining sowie viele andere Dienste von ihm wahrgenommen.

Ausrüstungsmäßig unterschied sich der Optio nicht wesentlich vom normalen Legionär, als Zeichen seines Rangs führte er beim Innendienst den Optiostab mit sich, ein mit einem Knauf verzierter Stab. Mit ihm konnte er die Linien beim Exerzieren ausrichten oder auch den einen oder anderen durch Schläge zur Ordnung rufen. Weiters trug er am Helm einen - im Unterschied zum Centurio - längsgestellten Helmbusch. Im Kampf trat er in die Schlachtordnung ein und war somit, wie der Centurio auch, ein Glied des Ganzen. Teilweise konnte ein Optio in den Rang eines Centurio aufsteigen (Optio Ad Spem Ordinis). Weitere Titel resultierten aus den verschiedenen Tätigkeiten ausserhalb einer Centuria, die ein Optio ausführen konnte. So war der Optio Ballistariorum der Befehlshaber einer Artillerieeinheit, der Optio Carceris der Befehlshaber des Militärgefängnisses.
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Signifer
Der Signifer trug das (taktische) Feldzeichen mit den heiligen Symbolen und Auszeichnungen der jeweiligen Einheit, das Signum (Feldzeichen oder Standarte). Der Signifer war sozusagen das "Symbol" der Truppe und daher auch sehr prächtig ausgestattet, über dem Helm trug er ein Tierfell (in den meisten Fällen ein Wolfsfell). Es sollte die den Raubtieren innewohnende Wildheit und Kampfkraft auf die Einheit übergehen und den Feind dadurch auch abschrecken. Wobei der präparierte Kopf mit Schnauze und Zähnen über den Helm gezogen wurde, während das restliche Fell über den Rücken herabhing. Im Falle von Löwen- und Bärenfellen konnte natürlich nur der vordere Teil derselben Verwendung finden, da der Rest am Boden nachgeschleift wäre. Die Vorderpfoten wurden um den Hals geschlungen und zugebunden. Franz Anzengruber trägt über dem Helm ein Wolfsfell (Lupus). Der Signifer gehörte wie der Aquilifer zu den Principales, den nach dem Centurionat wichtigsten Unteroffizieren im Stab der Legion. Er war für den taktischen Einsatz und den moralischen Zusammenhalt der Truppe sehr wichtig (fungierte auch als Zahlmeister der jeweiligen Centurie, er erhielt den Sold eines Duplicarius). Jede Centurie bzw. Cohorte einer Legion besaß ein Signum. Die Marschrichtung in der Schlacht bzw. die Truppenbewegungen jeder Centurie wurden also vom, den Kommandos des Centurio bzw. ranghöchsten Cohortencenturio (also der 1. Centurie jeder Cohorte) folgenden, Signifer gelenkt. Eine ausführliche hierarchische Darstellung der Dienstgrade finden Sie auf der Seite Römische Armee unter Gliederung.

Da sich der Signifer immer an vorderster Front aufhielt, war er sehr großen Gefahren ausgesetzt. Nur die tapfersten Soldaten konnten daher Signifer werden, denn der Verlust des Feldzeichens an den Feind galt als große Schande und Gesichtsverlust.

Signum und Aquila der Legio XV Apollinaris Cohors I
Unsere Feldzeichen: Signum und Aquila
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Cornicen
Der Cornicen (Hornbläser) diente für die akustische Befehlsübermittlung im Gefecht und auch bei Paraden. Jedes Manipel einer Legion (2 Centurien) hatte mindestens einen Cornicen. Die Cornicines waren innerhalb einer Legion in Collegia organisiert, insgesamt 36 Cornubläser wurden hierbei von einem Optio geleitet. Der Cornicen war ein rangniedriger Unteroffizier (Aeneatores) und direkt dem Centurio und dem Signifer als Befehlsübermittler unterstellt. Er war ein Duplicarius, also er bekam den doppelten Sold. Er trug neben dem Cornu (Horn) als besonderes Kennzeichen genau wie der Signifer über dem Helm ein Tierfell. Unser Cornicen trägt ein Bärenfell (Ursus).

Über das römische Musikwesen ist sehr wenig überliefert, da es ja auch keine Noten im heutigen Sinne gab. Das Cornu war ein relativ langes, rundgebogenes Militärhorn mit trompetenartigem Schalltrichter, das über ca. drei Oktaven gespielt werden konnte. Ventile waren noch nicht bekannt, es konnten also nur Naturtöne gespielt werden. Der Klang ist am besten als eine Mischung von Trompete und Horn zu beschreiben. Da es sich um ein Signalhorn handelte dürfte aufgrund der besseren Druchdringung eher im hohen Klangbereich gespielt worden sein. Der Cornicen war der verlängerte Arm des Centurio und trug daher die alleinige Verantwortung die an ihn erteilten Befehle zeitgerecht und für jeden klar verständlich an die Legionäre weiterzuleiten. Der Cornicen war immer an fordester Front, nämlich an der Seite des Centurio anzutreffen, folglich wurden für diese Funktion nur tapfere und kampffähige Männer ausgewählt. Bei etwaigen Kampfhandlungen hätte eine rein verbale Kommandoweitergabe aufgrund der enormen Lärmentwicklung mit Sicherheit nicht funktioniert. Um als Cornicen fungieren zu können musste man sich einer gründlichen und mehrjährigen Ausbildung am Instrument unterziehen. Es ist davon auszugehen, dass es für jedes Kommando ein klar definiertes und allen bekanntes Signal gab, welche sich durch die verschiedenen Tonfolgen (inkl. variabler Tonlänge) eindeutig unterscheiden ließen.
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Agrimensor
Die Landvermesser (Agrimensores) waren im römischen Heer immer zugleich kaiserliche Beamte und der staatlichen Kontrolle unterworfen. Sie wurden hierfür speziell ausgebildet und mussten eine Zulassungsprüfung absolvieren. Die Aufgabe des Agrimensors war die Berechnung der Größe des Lagers (etwa 25 ha pro Legion). Es handelte sich hierbei entweder um ein festes Standlager oder ein täglich neu errichtetes Marschlager. Als Erstes erfolgte die Absteckung der Lagerhauptachsen (Via Praetoria und Via Principalis), anschließend wurden die Plätze der Cohorten und der einzelnen Zelte bezeichnet und vom Landvermesser den Mannschaften zugewiesen. Eine Legion besaß 11 Agrimensoren, welche den Rang eines Immunes (Gefreiter mit Sonderaufgaben) bekleideten. Als Sold bekam er das 11/2 fache (Sesquiplicarius) eines Legionärs. Die Landteilung (Centuriation, Limitation) von eroberten Gebieten war ebenfalls Aufgabe der Landvermesser (Mensor Agrarius). Dieses Land wurde unter anderem den Veteranen, die nach 25 Dienstjahren aus der Armee ausschieden, zugewiesen.

Die Landvermesser des Heeres waren auch für Trassierung von Straßen verantwortliche Fachleute, genauso wie beim Bau von Wasserleitungen (z.Bspl. Aquädukte, Aqua Ductus). Sie waren daher ein wichtiger Faktor für die Überlegenheit des römischen (Militär)Ingenieurwesens. Großprojekte wie der Bau des Hadrianswalls zeigen von der Fertigkeit und Perfektion des römischen Vermessungswesens.
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Miles Gregarius
Der einfache Legionär (Miles Gregarius) erhielt den Grundsold und war arbeitsdienstpflichtig (schwerer Dienst). Die Miles Gregarii stellten den zahlenmäßigen Hauptbestandteil einer Legion dar. Ihre Kampftechnik, körperliche Verfassung, und Disziplin war mitentscheidend für den Ausgang einer Kampfhandlung bzw. eines Krieges. Nicht umsonst wurde in der Ausbildung (und im normalen Dienstbetrieb) auch das Hauptaugenmerk auf diese Bereiche gelegt. Ein Miles Gregarius war also ein Elitesoldat. Ein römischer Bürger - das römische Bürgerrecht war Voraussetzung - konnte ab dem 18. Lebensjahr nach erfolgreicher Stellung (Probatio) zur Legion einrücken. Die Dienstzeit betrug ca. 25 Jahre, nach deren Ableistung der Legionär als Veteran Anspruch auf Altersversorgung hatte (in Form von Landschenkung oder Auszahlung). Weiters durfte er während der aktiven Dienstzeit nicht heiraten und konnte außerdem überall im römischen Reich bzw. im Feindesland eingesetzt werden.

Wie bereits erwähnt waren die einfachen Legionäre zum schweren Dienst (Munus) verpflichtet. Sie hatten daher ein sehr umfangreiches Aufgabengebiet. Neben den militärischen Aufgaben (Lagerbau, Kampfeinsätze, Trainingsmärsche, ...) gehörten z. Bspl. auch der Straßenbau und Steinbrucharbeiten zum täglichen Dienst. Weitere Infos über den Miles Gregarius finden Sie hier.
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Mulio/Equos Regentes
Die Mulios (Lagerburschen) führten die Maultiere und Packpferde des Legionstrosses. Sie rekrutierten sich meist aus jungen Burschen der Lagerdörfer (Canabae) und waren oft die Söhne von Legionären. Viele davon wurden bei entsprechender Tauglichkeit (Alter) in die Truppe übernommen. Die Mulios waren nicht bewaffnet und blieben bei Kampfhandlungen der Legionen im Lager oder Kastell. Sie hatten vielfältige Aufgaben zu erledigen, vom Pflegen und Versorgen der Tiere bis zu allen möglichen Lagerarbeiten wie Zeltbau, Kochen und mithelfen beim Schanzen. Sie verstanden sich auch oft auf leichtere Reparatur- und Pflegearbeiten der Feldausrüstung (Waffen- und Lederteile).


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