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Die Legionäre der frühen Kaiserzeit

Ausbildung
Die Grundausbildung dauerte in der Regel vier Monate. In den Legionen waren die Cohorten II, IV, VII und IX für die Rekrutenausbildung zuständig. Wenn der Rekrut (Tiro) bei seiner Einheit eintraf, war er ein Probatus, ein gemusterter Anwärter, aber noch kein Soldat. Er erhielt nun seine Grundausstattung und dann begann die Ausbildung, die sich vorallem auf dem Paradeplatz vor dem Lager, bei schlechtem Wetter in der überdachten Exerzierhalle, aber auch im Gelände abspielte. Der neue Rekrut lernte zunächst marschieren, erwartete man doch von ihm, dass er während seiner Dienstzeit dreimal im Monat mit voller Ausrüstung einen 30km langen Marsch absolvierte. Er lernte den Lagerbau und wurde zweimal täglich gedrillt (nach der Ausbildung nur mehr einmal täglich). Weiters erhielt er eine Grundausbildung im Steinwerfen mit der Schleuder, im Schwimmen und Reiten. Hauptsächlich konzentrierte sich die Ausbildung aber auf das Waffentraining.

Viel die Beurteilung des Rekruten am Ende der zweifellos sehr harten Grundausbildung positiv aus, wurde aus dem Probatus ein Signatus und er wurde nun offiziell in die Liste seiner Einheit aufgenommen. Er war nun Soldat und konnte den Fahneneid (Sacramentum) ablegen.

Legionär (Miles Gregarius)
Kampfausrüstung am Ende des 1. Jhdts. n.Chr.

Waffentraining
Das Waffentraining fand auf dem Exerzierplatz statt. Dazu stellte man etwa mannshohe dicke Holzstangen auf, die der Rekrut mit seinem geflochtenen Weidenschild und einem Holzschwert, beide von doppeltem Standardgewicht, in Hau- und Stoßübungen angriff. Man brachte ihm auch bei, wie man ein überschweres Pilum (Wurfspieß) gegen den Pfahl schleuderte. Schließlich durften sie mit richtigen Waffen üben. Mit diesen wurden auch Scheingefechte abgehalten, für die Gladius und Pilum aus Sicherheitsgründen an der Spitze Schutzkappen bekamen, um schweren Verletzungen vorzubeugen. Bei dieser Art von Gefechten wurde den Rekruten die vorschriftsmäßige Nahkampfstellung - linke Schulter im Schild, Schwert waagrecht gehalten zum Stoß in den Bauch des Gegners - beigebracht. Geübt wurde auch das Aufstellen in Schlachtordnungen, wie z.Bspl. die Schildkröte (Testudo).

Marschgepäck
Die römische Armee unterschied zwischen dem kampfbereiten Legionär, der nur Waffen und Rüstung trug (Miles Expeditus) und dem feldmarschmäßig bepackten Legionär (Miles Impeditus). Seit der Heeresreform des Marius (110 v. Chr.) mussten die Legionäre ihre persönliche Ausrüstung während des Marsches selbst tragen, abgesehen von Rüstung und Waffen entstand daher eine zusätzliche Last von ca. 18,5kg. Das Marschgepäck (Sarcina) wurde auf einer hölzernen Stange (Furca) über der linken Schulter getragen und lag auf dem Oberrand des über den Rücken geschnallten Schildes auf. Zum Marschgepäck gehörten neben Verpflegung und Reservebekleidung, Werkzeuge, Kochgeschirr und kleinere persönliche Utensilien wie Toilettenartikel, Besteck oder Spielsteine.

Gewichtsvergleich Expeditus versus Impeditus (Gesamtgewicht)
Miles Expeditus:Kleidung, Waffen, Rüstung29,5kg
Miles Impeditus:inkl. Marschgepäck (18,5kg)48,0kg
Hinweis: Die oben genannten Zahlen beziehen sich auf das Gewicht der von uns rekonstruierten Ausrüstungsgegenstände. Es handelt sich um Durchschnittswerte, da die einzelnen Stücke in der Ausführung gewissen individuellen Schwankungen unterliegen.

Sold und Bedingungen
Die Legionäre dienten 25 Jahre und bezogen den dreifachen Sold eines Hilfstruppeninfanteristen. Nach einem Sieg oder bei der Thronbesteigung eines neuen Kaisers gab es beträchtliche Geldgeschenke. Eigentlich durften die Soldaten nicht heiraten, aber diese Vorschrift wurde of missachtet (gegen Ende des 2. Jahrhunderts aufgehoben). Beim Ausscheiden aus dem Heer konnte der Legionär zwischen einer Landzuweisung oder einer Summe Geldes wählen. Ein Legionär im Ruhestand ließ sich meist in dem Lande nieder, wo er gedient hat.

Religion
Der römische Soldat war sehr abergläubisch und ängstlich bedacht, keine der übernatürlichen Mächte, von denen er sein Leben beeinflusst glaubte, zu erzürnen. Wen will es also wundern, dass die Soldaten eine Menge Götter anbeteten, darunter auch die Gottheit der Gegend, in der ihre Legion stationiert war. Manche Religionen genossen bei den Soldaten größere Beliebtheit als andere. Christen scheint es während des 1. Jahrhunderts n.Chr. im Heere noch nicht gegeben zu haben, wahrscheinlich, weil diese noch strenge Pazifisten waren. Dagegen gab es viele Pazifisten der Mithrasverehrung. Das war eine männlich bestimmte Religion, die einen Kult mit körperlicher Kraft und Ausdauer betrieb und daher die Soldaten ansprach.

Genien
Die Römer glaubten an Genii, Schutzgeister menschlicher Gemeinschaften und Gruppen wie der Familie, der Legion oder des Staates. Bei den Legionen sah man diese Geister auf ganz natürliche Weise in den Feldzeichen verkörpert. Aus diesem Grunde wurden die Feldzeichen so verehrt, galt es doch als namenlose Schande, sie in der Schlacht zu verlieren.

Freizeit
Oft stammte der Legionär des frühen Kaiserreichs aus der Stadtbevölkerung, und so versuchte er, die Freuden des Stadtlebens ins Lager hinüberzuretten. In den meisten Lagern findet man die traditionellen römischen Bäder. Diese Anlagen verfügen über verschiedene Räume für kalte, heiße, und lauwarme Bäder. Auch Übungs- und Massageräume gab es. Die Bäder dienten den Soldaten wie Zivilisten als Treffpunkt. Auch scheinen alle Lager ein Amphitheater gehabt zu haben, das entweder innerhalb oder gleich außerhalb der Lagerumwallung stand.


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