Ausrüstung der Legio XV

Bewaffnung und Ausrüstung der Legionäre
Die gesamte archäologisch beweisbare Ausrüstung wurde von der Legio XV
unter wissenschaftlicher Anleitung soweit als möglich originalgetreu nachgebaut
und rekonstruiert. Sie entspricht der Ausrüstung der kaiserlichen Legionen am
Ende des 1. Jhdts n.Chr. Die Ausrüstung des Legionärs mit Angriffs- und
Schutzwaffen entsprach der Taktik des Nahkampfes.

Kleidung und Schuhwerk
Tunica: Bekleidet waren die Legionäre mit dem Grundkleidungsstück aller Römer, der Tunica. Sie bestand aus zwei rechteckigen roten gewalkten oder ungewalkten wollenen Stoffstücken und war auf den Schultern zusammengenäht. Unterhalb der Oberkante lässt man seitlich zwei Armlöcher offen und in der Mitte der Oberkante einen Ausschnitt für den Hals. Dieser ist gerade so breit, dass der Kopf durchpasst, denn die Tunica hat keine zuzuknöpfenden oder sonstwie zu verschließenden Öffnungen, man schlüpft in sie hinein wie in einen Pullover.
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Tunica

Paenula: Der bekannteste römische Militärmantel ist die Paenula, sie bestand aus einem gewalktem, lodenähnlichem Wolltuch, ist halbkreisförmig geschnitten und wird vorne vom Hals bis zur Höhe der Magengrube zugenäht. Am Nacken ist eine spitz zulaufende Kapuze (Capitium) angenäht. In kälteren Regionen sowie im Winter trugen die Soldaten zusätzlich auch eine Hose (Bracae) unter der Tunica.

Caligae: Das Schuhwerk des Legionärs war die aus Leder gefertigte spezielle Militärsandale (Caligae). Die Caligae waren überaus robuste Sandalen mit aus drei Lagen Rindsleder bestehenden Sohlen, die mit jeweils 80 bis 90 Eisennägeln mit halbkugeligen Köpfen (Clavi) besetzt waren. Die oberste Schicht der Sohle bildet zugleich das Oberleder. Es handelt sich um ein einziges Stück, welches einem komplizierten System von Laschen geschnitten und an der Ferse zusammengenäht wird. Geschlossen werden die Sandalen mit einem langen Lederriemen, den man durch die auf dem Fußrücken zusammenstoßenden Enden der Laschen zieht.
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Caligae I · Caligae II

Cingulum: Der Militärgürtel (Cingulum Militare) stellte in seiner Verzierung den Rang des Trägers dar und galt als Symbol des Soldatenstandes. Dementsprechend wurde er aufwendig verziert. Es handelte sich dabei um einen mit verzinnten Beschlägen verzierten Lederriemen der am Ende mit einer reich verzierten in Scharnieren beweglichen Gürtelschnalle aus Bronze versehen war. Der Militärgürtel diente auch als Trageriemen für den Dolch, dieser wurde an zwei Knöpfen mit Lederriemen befestigt.
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Cingulumschnalle

Angriffswaffen
Gladius: Als Angriffswaffe trug der römische Legionär in einer hölzernen, lederbezogenen und mehr oder weniger reich verzierten Scheide (Vagina) ein kurzes zweischneidiges Hieb- und Stichschwert mit geraden, parallelen Schneiden und einer abgekanteten Spitze (Gladius, Klingenlänge ca. 50 - 55cm). Das Schwert wurde an einem Schulterriemen (Balteus) getragen. Der Gladius stellte die Hauptwaffe der römischen Legionäre dar. Die Legio XV benutzt den Gladius vom Typus Pompeji.
· Fotos: Gladius I · Gladius II · Gladius III

Pilum: Bevor der Gladius zum Einsatz kam setzte der Legionär seinen Wurfspeer (Pilum) ein, dessen Schaft aus weichem Eisen sich beim Eindringen in ein Schild verbog (die Spitze hingegen war, um die nötige Durchschlagskraft zu erreichen, gehärtet), sodass das Pilum nicht zurückgeworfen werden konnte und es überdies den Gegner in seiner Bewegungsfreiheit behinderte (der Schild musste oft weggeworfen werden, womit er gegen die römischen Angreifer schutzlos war). Es gab drei Typen, den leichten, den mittleren (am Schwerpunkt mit Holz verstärkt) und den schweren Wurfspeer (am Schwerpunkt mit einer Eisenkugel versehen).

Schutzwaffen
Lorica: Zum Schutz des Oberkörpers trug der Legionär einen Eisenpanzer (Lorica).
Es sind drei verschiedene Arten bekannt:
a) der Plattenpanzer (Lorica Segmentata), ca. 40 - 50 Eisenplatten und wiegt 8 - 10kg.
Dieser Panzer bestand aus einem kompliziertem System beweglich ineinandergeschobener Eisenschienen und -platten, die auf eingenieteten Lederriemen befestigt waren. Die Eisenteile wurden durch Messingbeschläge verziert bzw. zusammengehalten und -gebunden. Die Verzierung des Panzers fiel ab dem 2. Jhdt. n.Chr weg, das Hauptaugenmerk galt nun alleine der Funktionalität.
b) der Kettenpanzer (Lorica Hamata), ca. 30000 Kettenglieder und wiegt 8 - 9kg.
Der römische Kettenpanzer bestand aus alternierenden Reihen gestanzter, also geschlossener und zusammengebogener Drahtringe (Circuli und Hami). Letztere wurden auch oft vernietet, um die Stabilität zu erhöhen. Der Durchmesser der Ringe schwankt zwischen 3 und 9mm.
c) der Schuppenpanzer (Lorica Squamata), ca. 4000 Eisenschuppen und wiegt 6 - 15kg.
Die Schuppen waren meist nach unten abgerundet, manchmal liefen sie auch spitz zu. Gewöhnlich wiesen die Schuppen oben und an beiden Seiten je ein paar Löcher auf. Mit den oberen wurden sie auf der Leinenunterlage (Untergewand) festgenäht, durch die seitlichen führte man ein Stück Draht und verflocht so die sich horizontal und vertikal stark überlappenden Schuppen miteinander. Im Durchschnitt waren die Eisen- bzw. Bronzeschuppen 2 - 3cm breit und 3 - 5cm hoch.
· Fotos: Lorica Segmentata - Schulterteil · Lorica Hamata

Cassis: Den Kopf und den Nacken schützte ein verzinnter eiserner Helm (Cassis). Hauptbestandteil des Helms war die Eisenkalotte, die aus einem starr geformten Stück Metall bestand. An der Kalotte wurden die in Scharnieren beweglichen Wangenklappen und ein großer Nackenschirm befestigt. Am Helm wurden mit Hilfe von zwei waagrecht aufgenieteten Tüllen - je nach Rang - auch Helmbuschen (Centurio ...) und Tierfelle (Signifer ...) befestigt. Die Helme der Legio XV sind vom kaiserlich-gallischen Typus, er war der handwerklich schönste den die römische Armee je verwendet hat.
· Fotos: Cassis I · Cassis II

Scutum: Der große rechteckige Holzschild (Scutum, Gewicht ca. 9kg) den der Legionär am linken Arm trug, war leicht gewölbt und in der Mitte zum Schutz der Hand mit einem Metallbuckel versehen (Umbo), sodass feindliche Wurfgeschosse abgleiten konnten. Die Schildbemalung variierte von Einheit zu Einheit, die Schilder der Legio XV sind mit Blitzen, Donnerkeilen (Jupiter), Adlerschwingen und dem Greif (Legionsemblem) verziert. Bei den Märschen wurden die Schilder in eine Schutzhülle (Tegimenta Scuti) aus Leder gegeben (gegen Feuchtigkeit, ...). Signifer, Cornicen und Aquilifer trugen auch ein Schild, ein kleines rundes Holzschild (Parma) ebenfalls mit Metallbuckel in der Mitte.
· Fotos: Scutum I · Scutum II

Pugio: Weiters trugen die Soldaten zur Selbstverteidigung an der Seite einen am Cingulum befestigten zweischneidigen Dolch (Pugio, als Beiwaffe benutzt, Scheidenlänge ca. 25 - 30cm). Die gerade zweischneidige Klinge ist breit und gedrungen, die Spitze sich allmählich verjüngend. Meist findet sich in der Klingenmitte eine schmale parallele Kehlung ("Blutrinne").
· Fotos: Pugio

Pteryges: An dem Militärgürtel wurden Lederstreifen (Pteryges) mit verzierten Beschlägen getragen. Es handelte sich hierbei um einen eher symbolischen Schutz der männlichen Geschlechtsteile.
· Fotos: Pteryges

Marschgepäck und schweres Gerät
Sarcina: Zum Marschgepäck (Sarcina) gehörte die Tragestange (Furca), der Mantelsack (Mantica), das Proviantnetz (Reticulum) mit Proviant für einige Tage, eine Ledertasche (Pera) mit Kleingerät und Wertsachen, eine metallene Feldflasche für ca. 1 Liter (Ampulla), ein metallener Eimer oder Topf (Situala) und eine Kasserolle (Patera).

Mulus: Jedes Contubernium verfügte über ein Tragtier, um das schwere Gerät transportieren zu können. Bei dem von einem Mulio geführten und versorgten Tragtier handelte es sich in der Regel um ein Maultier (Mulus), das bis zu 150kg an Nutzlast aufnehmen konnte.
· Fotos: Mulio mit Mulus

Lagerausrüstung
Tabernaculum: Zur Marschlagerausrüstung gehörten die Zelte (Tabernaculum). Das Giebelzelt (Papilio) der Legionäre hatte Platz für 8 Soldaten (Contubernium), und hatte eine Grundfläche von 3 * 3m. Offiziere hatten größere Zelte, die der Centurionen maßen 6 * 6m waren ca. 2,7m hoch und besaßen senkrechte Seitenwände, die von Stabsoffizieren waren noch geräumiger. Stabilisiert wurde das Zelt mit Zugleinen (Funes), eisernen oder hölzernen Zeltheringen (Paxillus) und einem Stützgerüst aus Holz welches dem Zelt die nötige Form und Stabilität verlieh.
· Fotos: Legionärszelt · Centuriozelt

Schanzwerkzeug: Das Schanz- bzw. Pioniergerät der römischen Truppen bestand aus einer Pionieraxt (Dolabra, ein Universalgerät da sie zugleich als Hacke, Spaten und Schaufel benutzt werden kann), einer Schaufel (Pala, aus Eisen), einem Rasenstecher (Rutrum, röm. Erfindung, ein halbmondförmiges Eisenblatt diente zum Abstechen von Rasenziegeln (Caespites)) und einer Ziehhacke (Ligo) welche für die Erdarbeiten besonders gut geeignet war.
· Fotos: Schanzwerkzeug

Pila Muralis: Die Pila Muralis mit zugespitzten Enden ausgestattet, sind Holzpfosten welche hauptsächlich zur Lager- bzw. Erdwallbefestigung verwendet wurden. Ihre Länge variiert zwischen 150 und 190cm bei einem Gewicht von ca. 2,5kg. Die beidseitige Zuspitzung hatte den Zweck, den Pfosten mit dem einen Ende in den Boden zu rammen, während das andere als Hindernis in die Höhe ragte, die Verjüngung in der Mitte diente dazu, die Pfosten mit Stricken zusammenzubinden.
· Fotos: Pila Muralis

Kochgeschirr
Essutensilien: Das Essbesteck bestand wie heute aus einem Löffel (Ligula) und einem Messer (Cultri). Getrunken wurde aus einem Holznapf (Catinus). Gekocht wurde mit einem metallenem Eimer oder Topf (Situala) und einer Kasserolle (Patera).

Mola Manualis: Jedes Contubernium (Zeltgemeinschaft) führte zur Selbstversorgung eine Handmühle aus Stein (Mola Manualis) mit. Das Getreide wurde zwischen zwei Mühlsteinen mit Zuhilfenahme eines Holzgriffes gemahlen. Sie diente zum Schroten des Weizens, der in Rohform ausgegeben wurde und verarbeitet (Brot, ...) die Hauptnahrung des Soldaten bildete.
· Fotos: Mola Manualis

Zusätzliche Ausrüstung der Legionen
Die Legio XV besitzt zwei nachgebaute römische Streitwagen und anhand von
historischen Fakten originalgetreu nachgebaute Katapulte und Vermessungsgeräte.

Vermessungsgeräte
Groma: Das Standardvermessungsgerät der im Dienste der Legionen beschäftigten Landvermesser (Agrimensoren) war die Groma, ein in der Erde zu befestigender Holzstab mit einem drehbarem an einem Holzbügel befestigten Messingkreuz, an diesem wurden vier Seile befestigt an denen wiederum Messingsenkel hingen. Mit diesem Gerät konnten Rechte Winkel gemessen werden. Unterstützend eingesetzt bei Messungen wurde der Decempeda, ein 10 Fuß (2.96m) langer Stab, und wohl auch ein Messseil zur Messung der Entfernung.
· Fotos: Groma

Katapulte
Cheiroballistra: Die römischen Legionen verfügten auch über eine vielzahl von Katapulten (Ballistra). Eines der wichtigsten Katapulte war die Cheiroballistra. Bei diesem Katapult handelt es sich um eine am Ende des 1. Jhdts n.Chr. durchgeführte Weiterentwicklung des Scorpio. Bei der neuen und revolutionären Bauart der Torsionskatapulte wurden die für den Schleudervorgang elementaren Torsionsteile aus Holz durch Eisenteile ersetzt. Zwei weit auseinander liegende eiserne Torsionsfedern (die Torsion wurde durch ineinander verdrehte Seile erzeugt) sorgten dabei für die benötigte Schnellkraft. Die dabei erzeugte Schleuderkraft wurde dann mit bogenähnlichen Armen auf den Pfeil übertragen. Mit dieser Wurfmaschine schleuderte man Pfeile, Speere, ja sogar kleinere Balken auf die Gegner. Diese Art der Katapulte blieb bis zum Ende des römischen Imperiums im Einsatz. Die Legio XV verfügt über eine völlig funktionsfähige Cheiroballistra. Mit diesem Katapult kann man Pfeile (1cm dick) bis zu 100m weit schleudern und das - unter der Voraussetzung eines intensiven Trainings - mit einer sehr großen Zielgenauigkeit.
· Fotos: Cheiroballistra
Reliefs auf der Traianssäule in Rom, welche detailliert die Geschichte der Dakerkrieger von Kaiser Traian (101 - 106 n.Chr) dokumentieren, zeigen das zu dieser Zeit neukonzipierte Pfeilkatapult - die Cheiroballistra - im Einsatz als Belagerungsartillerie (ohne die vernachlässigten Arme).
· Fotos: Cheiroballistra-Traianssäule [1]

Streitwagen
Biga: Ein typisches und "altbekanntes" Fortbewegungsmittel in der römischen Kaiserzeit war der Streitwagen. Mit Holzräder ausgestattet wurde er an drei Seiten mit Holzwänden eingefasst und wurde hinten offen gelassen. Es gab zwei Versionen, den Zwei (Biga)- und den Vierspänner (Quadriga). Die Legio XV verfügt über zwei Zweispänner. (Hinweis: Zaumzeug nicht Original!)
· Fotos: Biga

[1] Baatz 1978, pl. 4B. Recent Finds of Ancient Artillery.


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