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Ectaxis contra Alanos
Arrians Marschordnung gegen die Alanen [1]

Copyright-Hinweis: © Das Urheberrecht dieser Texte liegt ausschließlich
bei Kate Gilliver (GB), Autorin des Buches
"Auf dem Weg zum Imperium"

(1) Die gesamte Armee wird von den berittenen Kundschaftern geführt, die in zwei Abteilungen unter ihrem eigenen Befehlshaber reiten. Nach ihnen kommen die berittenen Bogenschützen aus Petra, ebenfalls in zwei Abteilungen unter dem Befehl ihrer Dekurionen. Die Nächsten in der Formation sind die Männer der Ala Auriana zusammen mit den Männern der vierten Kohorte der Räter unter dem Befehl von Daphnis dem Korinther. Nach ihnen sollten die Männer der Ala der Kolonisten kommen und mit ihnen in der Formation gehen die Ituräer und die Kyrenaiker sowie die Männer der ersten Kohorte der Räter. Sie alle werden von Demetrius befehligt. (2) Danach kommt die germanische Reiterei, ebenfalls in zwei Abteilungen und vom Zenturio befehligt, der für das Lager verantwortlich ist. (3) Die Infanterie ist hinter diesen Einheiten und trägt ihre Standarten vor sich her, die Italiker und die der Kyrenaiker, die bei ihnen sind. Pulcher, der Präfekt der Italiker, befehligt all diese. Die Infanterie von Bosporus folgt ihnen unter dem Kommando vom Lamprocles und danach kommen die Numider unter dem Befehl ihres Präfekten Verus.
(4) Sie laufen in Reihen zu viert nebeneinander und folgen ihren Bogenschützen. Ihre eigene Reiterei schützt beide Flanken der Marschkolonne. Dahinter kommen die Equites Singulares und die Legionsreiterei, (5) anschließend der Artilleriezug, die Standarten der 15.Legion und Valens, der Befehlshaber dieser Legion, sein Stellvertreter, die der Expedition beigestellten Militärtribunen und die (fünf) Zenturionen, die die erste Kohorte der Legion befehligen. Die Speerwerfer haben ihren Platz vor der Infanteriestandarte. Die Infanterie marschiert in Viererreihen nebeneinander. (6) Die Standarte der 12.Legion, ihre Tribunen und Zenturionen, laufen hinter der 15.Legion. Auch diese Legion marschiert in Viererreihen nebeneinander.
(7) Hinter der schweren Infanterie kommen die Verbündeten, zuerst die schwere Infanterie aus Armenia Minor und Trapezus, danach die Speerwerfer aus Kolchis und Rhizus. Nach ihnen kommt die apulische Infanterie. Die Verbündeten stehen unter dem Befehl von Secundinus, dem Befehlshaber der Apuler. (8) Anschließend kommt der Gepäcktross. Die Ala der Daker unter ihrem eigenen Befehlshaber bildet die Nachhut. (9) Speziell dafür ausgesuchte Zenturionen sorgen für Ordnung in den Reihen der Infanterie. Zum Schutz reitet die Ala der Gallier in einer Reihe zu beiden Seiten der Marschkolonne, ebenso die italische Reiterei. Ihr Präfekt sollte regelmäßig die Flanken abreiten. (10) Der Oberbefehlshaber der Armee, Xenophon (Arrian), wird sich meist vor den Infanteriestandarten aufhalten, aber auch regelmäßig die Marschkolonne abreiten, um die Marschordnung zu überwachen und diejenigen in die Reihe zurückzuweisen, die die Ordnung verlassen haben und um die zu loben, die in der richtigen Formation marschieren. (11) So sollte die Marschordnung sein.
Hat die Armee den vereinbarten Ort erreicht, dreht sich die gesamte Kavallerie in einem kreisförmigen Manöver in eine quadratische Formation, danach werden die berittenen Kundschafter auf einen Hügel vorausgeschickt, um nach dem Feind Ausschau zu halten. Auf ein vereinbartes Signal hin bewaffnen sich die Männer ruhig und nehmen, wenn dies geschehen ist, ihre Stellung ein. (12) Die Schlachtordnung wird folgendermaßen sein: Die Flügel der Infanterie stehen auf erhöhten Gelände, da dies ihre Formation in solchem Gelände ist. Die Armenier versammeln sich auf dem rechten Flügel unter Vasaces und Arbelus am höchsten Teil des Flügels, da sie alle Bogenschützen sind. (13) Vor ihnen steht die Kohorte der italischen Infanterie. Pulcher, der Befehlshaber der italischen Kohorte, hat das Oberkommando. Vasaces und Arbelus unterstützen ihn mit ihrer Kavallerie und Infanterie.
(14) Die Verbündeten aus Armenia Minor, die leicht bewaffneten Truppen aus Trapezus und die Speerwerfer aus Rhizus stehen auf der linken Seite und besetzen die höchste Stelle auf dem linken Flügel. Die 200 Apuler und 100 Kyreniker werden vor ihnen stehen, sodass die schwere Infanterie die Speerwerfer schützen kann, die ihre Lanzen vom höheren Gelände aus über ihre Köpfe schleudern können. (15) Im Raum zwischen den Hügeln wird die ganze rechte Seite sowie die Mitte von der Infanterie der 15.Legion besetzt, da sie stärker ist. Die 12.Legion füllt den übrigen Platz auf der linken Seite bis zum äußeren linken Flügel aus. Sie werden dicht gedrängt in acht Reihen hintereinander stehen. (16) Die ersten vier Reihen werden mit Lanzen ausgerüstet sein, die lange dünne Eisenspitzen besitzen. Die Männer in der ersten Reihe halten ihre Lanzen bereit, sodass sie die Eisenspitzen auf die Pferde schleudern können, wenn der Feind anrückt, besonders auf deren Brust. (17) Die zweite (?), dritte und vierte Reihe hält sich bereit, um die Pferde mit den Lanzen zu verwunden, wenn möglich, und die Reiter zu töten. Wenn die Lanze den Schild oder die schützende Rüstung durchdrungen hat, wird sie sich, da das Eisen weich ist, verbiegen und der Reiter wird kampfunfähig. (18) Hinter ihnen stehen die Reihen der Speerwerfer. In der neunten Reihe, hinter diesen, werden die Bogenschützen stehen: Numider, Kyrenaiker, Bosporianer und Ituräer. (19) Die Artillerie steht auf beiden Flügeln, um den heranrückenden Feind von einer Position hinter der gesamten Schlachtlinie aus großer Entfernung zu beschießen.

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Arrians Schlachtaufstellung und Marschordnung gegen die Alanen [2]
Arrian erklärt in seinen Ausführungen zwar nicht den geplanten Übergang seiner Armee von der Marsch- zur Schlachtaufstellung doch wissen wir von ihm die Positionen der verschiedenen teilnehmenden Einheiten, was die Möglichkeit gibt dieses Manöver zu rekonstruieren. Arrians Marschkolonne konnte sich (um einer Bedrohung Herr zu werden) in jede Richtung drehen. Mit großer Wahrscheinlichkeit drehte sich die Kolonne aber nach rechts, damit die Legio XV den rechten Flügel der Hauptinfanteriemacht in der Schlachtreihe einnehmen konnte. Der rechte Flügel war die traditionelle Ehrenposition in der Schlachtreihe und da die 15.Legion in voller Stärke antrat, wurde von ihr wahrscheinlich diese Position eingenommen.

(20) Die Kavallerie wird in acht Einheiten und Kompanien an den Flügeln neben der Infanterie zusammengezogen. Eine davon wird auf jedem Flügel hinter der schweren Infanterie und den Bogenschützen platziert, die übrigen stehen in der Mitte hinter den Legionen ... (21) Die berittenen Bogenschützen werden bei den Legionen stationiert, damit sie über sie hinwegschießen können. Speer- und Lanzenwerfer sowie Schwertkämpfer halten an den Flanken nach dem Signal Ausschau. (22) Die Equites Singulares sowie bis zu 200 Mann der Infanterie aus den Legionen versammeln sich als persönliche Leibgarde um Xenophon (Arrian), wobei Zenturionen die ausgewählten Truppen und die Leibgarde befehligen, sowie die Dekurionen der Equites Singulares. (23) Etwa 100 der leicht bewaffneten Speerwerfer versammeln sich um ihn, sodass Xenophon die Schlachtlinie regelmäßig kontrollieren kann und wenn er meint, dass sie eine Schwachstelle hat, dort eingreifen kann. (24) Valens, der Legat der 15.Legion, befehligt den gesamten rechten Flügel einschließlich der Kavallerie, während die Tribunen der 12.Legion den linken befehligen.
(25) Wenn sich die Truppen so aufgestellt haben, sollten sie sich ruhig verhalten, bis der Feind bis auf Schussweite herangerückt ist. Wenn der Feind in Reichweite ist, sollten alle zusammen so laut und kräftig wie möglich das Kriegsgeschrei anstimmen. Gleichzeitig werden von der Artillerie Pfeile und Steine geschossen, von den Bogenschützen Pfeile und sowohl die leicht bewaffneten als auch die mit Schilden ausgerüsteten Speerwerfer schleudern ihre Geschosse. Auch von den Truppen der Verbündeten auf den Hügeln werden Steine auf den Feind geworfen. Da der ganze Angriff von allen Seiten und so heftig wie möglich kommen wird, wird er die Pferde verunsichern und die feindliche Reiterei ins Verderben stürzen. (26) Es ist zu erwarten, dass unter einem solchen Geschosshagel die Skythen (Alanen) es nicht wagen werden, auf die Legionsformation vorzurücken. Schreiten sie dennoch vor, so werden die ersten Reihen ihre Schilde zusammenschließen und Schulter an Schulter in dichter Formation dam Angriff so lange wie möglich standhalten. Sie vierte Reihe (sollte ihre Lanzen so halten, dass sie feindliche Reiter töten können, sie aber nicht so hoch halten, dass die Speerwerfer hinter ihnen darüber hinweg werfen müssen). Die erste Reihe sollte ihre Lanzen kühn gegen Reiter und Pferde schleudern oder stoßen. (27) Ist der Feind zurückgeschlagen und ist es sicher, dass er flieht, öffnet die Infanterie ihre Reihen für die Kavallerie, von denen jedoch nicht alle Kompanien, sondern nur etwa die Hälfte vorrückt. (28) Die andere Hälfte folgt ihnen, jedoch behutsamer und in Formation, damit die Reiter vor ihnen, falls der Kampf ernst wird, durch frische Kräfte abgelöst werden können und der Feind, falls er umdreht, dabei angegriffen werden kann. (29) Gleichzeitig sollten die armenischen Bogenschützen vorrücken und feuern, um zu verhindern, dass der fliehende Feind umkehrt und auch die leicht bewaffneten Speerwerfer sollten sich der Verfolgung anschließen. Die Infanterieformation bleibt nicht auf dem Schlachtfeld, sondern rückt in einem schnellen Marsch vor, damit sie vor der Kavallerie einen Schutzschild bilden kann, falls der Feind noch ernsthaften Widerstand leisten sollte.
(30) Dies sollte geschehen, wenn der Feind sich direkt beim ersten Angriff zur Flucht wendet. Dreht er jedoch ab, um die Flügel zu umgehen, müssen die leicht bewaffneten Bogenschützen die Flügel über die Hügel ausdehnen. Ich glaube nicht, dass der Feind durch die Flanken in die Infanterie einbrechen wird, wenn er sieht, dass sie geschwächt sind, weil sie auseinander gezogen wurden. (31) Sollte er jedoch auf dem einen oder anderen Flügel Erfolg haben, ist es unumgänglich, dass seine Kavallerie und Speerwerfer in einem schrägen Winkel zu uns stehen. Unsere Kavallerie sollte ihn dann nicht mit den Lanzen, sondern mit Schwert und Axt angreifen. Die Skythen, die keine Rüstung tragen und deren Pferde ungeschützt sind ... (Arrian`s Text hört hier apprupt auf!)

[1] Aus Gilliver 1999/2003, siehe Anhang 2, 205-208. Auf dem Weg zum Imperium;
vgl. auch A. G. Roos, Arrian, Scripta Minora, Leipzig 1967; Siehe auch James G. DeVoto 1993, FLAVIUS ARRIANUS, 105-120.
[2] Gilliver 1999/2003, Abb. S. 66. Auf dem Weg zum Imperium; Siehe auch 64-65.


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